SLR

Olympus OM-2n: Wie sie das Kamerabusiness revolutionierte

Ein Olympus OM-2n Test / Review

Die Kamera für die Götter

Takachiho, so nennt man den Berg der Götter der japanischen Mythologie. Und nach diesem Berg wurde im Oktober 1919 die Firma Takachiho Seisakusho benannt. Ab 1921, also schon zwei Jahre später, übernahm Takachiho Seisakusho einen weiteren Götterberg als einen Markenname: den Olymp. Spätestens ab 1949 stellte dieser Götterpark den Firmennamen des Kameraherstellers: Olympus.

Olympus versprach sich von der Übernahme dieses Namens einen stärkeren Wiedererkennungswert. Insbesondere international war der Begriff Olymp wesentlich bekannter als das japanische Pendant.

1936 brachte Olympus seine erste Kamera heraus, die Semi-Olympus I. Doch so richtig betrat Olympus erst 1959 die große Bühne der Fotografie.

In diesem Jahr kam die Olympus PEN auf den Markt. Im Halbformat können 72 Bilder auf einen normalen Kleinbildfilm gebannt werden. Der Erfolg der PEN führte dazu, dass das Designteam der Kamera, geführt von einem gewissen Yoshihisa Maitani , auch verantwortlich für eine Spiegelreflexkamera aus dem Hause Olympus wurde.

Dieses Spiegelreflex System sollte mit den großen Kameraherstellern dieser Zeit wie Pentax oder Nikon mithalten.

Olympus OM-2n
Olympus OM-2n*

Ohne Leica keine OM-Serie

Zwar gab es im Jahr 1971 bereits eine Spiegelreflexkamera von Olympus mit dem Namen FTL, allerdings wurde diese von einem Dritthersteller an Olympus geliefert und lediglich unter deren Namen herausgebracht.

Ein Jahr später, 1972, kam dann die M-1 auf den Markt. Der Name stand für „Maitani-1“. Ein gewisser Hersteller aus Deutschland, bekannt durch den roten Punkt, der ebenfalls eine Kamera mit dem Namen M1 im Portfolio hatte, konnte dann aber gerichtlich durchsetzen, dass der Name M1 nur von ihnen, also Leica, benutzt werden durfte. (zum Leica M6 Artikel)

So entschied sich Olympus die Kamera ab dem Jahre 1973 unter dem Label OM-1 zu verkaufen. Eins der erfolgreichsten Kamerasysteme, das OM-System, war geboren.


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Die OM-2n

Der vollmechanischen OM-1 wurde ab 1975 eine elektronisch gesteuerte Schwesterkamera zur Seite gestellt. Sie bekam den Namen OM-2. Ab 1979 kamen beide Kameras mit dem Anhängsel „n“ auf dem Markt.

Der heutzutage wichtigste Unterschied zwischen OM-2 und OM-2n* liegt darin,dass die OM-2n zwei Knopfzellen vom Typ LR44 oder SR44 benutzen kann. Die OM-1n hingegen benutzt weiterhin die heute nicht mehr erhältlich im Quecksilberknopfzellen.

Weitere Unterschiede zu OM-2

Verbessert wurde die Fähigkeit zu Langzeitaufnahmen. Denn die längste Belichtungszeit wurde von 60 Sekunden auf 120 Sekunden verdoppelt. Außerdem wurden die Anzeigen im Sucher erweitert. Es kam eine dedizierte Anzeige für die Blitzbereitschaft hinzu, außerdem ein Warnsignal, wenn die Belichtungskorrektur aktiv ist.

Technische Daten

KameratypKleinbild SLR mit TTL-Belichtungsmessung (Offenblendmessung)
Filmformat35mm Kleinbild 24×36 mm
Verschlusshorizontal ablaufender Tuchschlitzverschluss
Belichtungssteuerungmanuell oder Blendenvorwahl (Zeitautomatik)
Belichtungskorrektur+ / – 2 Blenden in Drittelschritten
Verschlusszeiten1s – 1/1000s + Bulb, mechanisch und elektronisch gesteuert
Selbstauslöser4-12s Vorlaufzeit
SucherPentaprismensucher mit Vollmattscheibe, Schnittbildentfernungsmesser und Mikroprismenring (wechselbar)
Suchergröße0.92x Vergrößerung bei 50mm Objektiv, 97% Abdeckung
SucherinformationenBelichtungswaage mit Messnadel im M-Modus, Messnadel zur Anzeige der Belichtungszeit bei Zeitautomatik
ObjektivanschlussOM-Bajonett
FilmtransportSchnellaufzughebel, Schaltwinkel 150°
Blitzsteuerungmanuell und TTL
Zubehörschuhabnehmbarer Hotshoe (üblicherweise Typ 4)
Filmrückspulungausklappbare Rückspulkurbel
Blitzsynchronisation1/60s über Hotshoe, FP oder X-Kabelanschluss (umschaltbar)
Belichtungsmessungmittenbetonte Integral-Messung auf Filmebene bei Offenblende
MessbereichLW 2 – 17 bei ASA 100 und f/1.4
Filmempfindlichkeit12 – 1600 ASA
Stromversorgung2x LR44 oder SR44 Batterien
Abmessung (L x B x H)136 mm x 50 mm x 83 mm
Gewicht510g

OM-2n – die kompakte SLR

Dass die Olympus OM Reihe nicht nur eine weitere Kameraserie irgendeines Herstellers ist, sondern dass sich ab ihrer Einführung das Verständnis, wie eine moderne Kamera auszusehen hat, dermaßen änderte, ist wohl ihr größter Verdienst. Schaut man sich die Kamera an, fragt man sich, warum nicht schon andere, bekanntere und wesentlich größere Hersteller, auf die Idee gekommen sind.

Denn ein Produkt, dass den ganzen Tag herumgetragen wird, sollte idealerweise nicht zu groß und schwer sein. Maitani und sein Team bei Olympus hatten genau dieses Problem im Fokus. Stellt man Maitanis Kameras neben Exemplare anderer Hersteller aus der gleichen Zeit, stellt man sofort fest, wie klein die Olympus OM Serie ist.

Mit der OM-1 war das Ende der großen schweren Fotokameras besiegelt. Ab sofort wollte jeder Hersteller kleine, handliche Kameras im Stile der OM Serie anbieten.

Daraus könnte man schließen, dass die Kompaktheit der Kameras unweigerlich Verzicht bei der Ausstattung nach sich zieht, aber das ist falsch gedacht. Denn sowohl die inneren als auch die äußeren Werte stimmen bei der Olympus OM-2n* absolut.

Außen klein, innen ganz groß

Im Gegensatz zu heute, wo kleine Kameras auch nur kleine Sucher besitzen, kann die OM-2n* geradezu mit einem riesigen Suchbild aufwarten. Eine Vergrößerung von 0,92 bei 97 % Abdeckung sucht seinesgleichen. Und das ist nochmal herauszuheben, wenn man sieht wie klein der Prismenhügel auf der Kamera wirklich ist.

Aber nicht nur die kompakte Bauweise stellt ein Alleinstellungsmerkmal der Olympus Kameras der OM Serie dar, sondern auch die Entscheidung, dass die Verschlusszeit, nicht wie bei anderen Herstellern, mit einem Drehknopf auf der Gehäuse Oberseite eingestellt wird, sondern an einem Ring am Bajonett des Gehäuses. Diese Designentscheidung mutet erst einmal seltsam an, im Alltag lässt sich die Verschlusszeit jedoch ideal verstellen. Außerdem verschafft sie somit Platz auf der Gehäuse Oberseite.


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Der gewonnene Platz auf der Gehäuseoberseite wird auch benötigt. Denn links finden wir das übliche Rückspulrad, wie damals üblich, vollständig aus Metall gefertigt.

Zwischen Rückspulrad und Prismenhügel liegt der Schalthebel, mit dem man die Kamera an und ausschalten kann. Dieser hat vier Positionen zum einen die “Aus”-Position, links daneben die Position für manuellen Betrieb, oben drüber die Position für den Automatikbetrieb und schließlich kann man den Hebel ganz nach oben drücken. Diese Position aktiviert das Batterietestlämpchen oder führt als Zweitfunktion einen Reset durch.

Bedienelemente der Om-2n

Auf der rechten Schulter liegt ein Einstellrad zur Linken, daneben der Auslöser und rechts der Filmaufzughebel. Das Einstellrad bietet zwei Funktionen.

Zum einen dient es als Belichtungskorrektur. Zum anderen dient es als Einstellung für die Film Empfindlichkeit. Die OM-2n* lässt sich von 16 ASA bis 1600 ASA einstellen.

Um die Filmempfindlichkeit zu verstellen, muss der Knopf angehoben werden und kann dann gedreht werden.

Die Belichtungskorrektur lässt sich schon +2 bis -2 in drittel Schritten einstellen. Verstellt man die Belichtungskorrektur erscheint im Sucher auch ein kleines ± dass daran erinnert, dass der Knopf gedreht wurde. Dies ist sehr hilfreich, damit nicht aus Versehen die Belichtung ungünstig verändert wurde.

Der Auslöseknopf hat einen sehr schönen Druckpunkt und außerdem eine Aufnahme für einen Drahtauslöser.

Der Filmaufzughebel hat eine sehr angenehme Form. Trotzdem, dass er aus Plastik gefertigt ist, lässt er sich sehr schön anfassen. Man kann ihn komplett beiklappen oder auch etwas abklappen, um den Film somit schneller weiterzuspulen.

Am äußeren Rand der rechten Schulter befindet sich ein kleines Fenster mit dem Bildzähler. Es ist gut lesbar mit silbernen Zahlen beschriftet, wobei die 20, 24 und 36 goldfarben sind,um sich etwas abzusetzen. Der Zähler beginnt einem S wie Start und endet schließlich mit einem E wie Ende.

Auf dem Deckel Prisma befindet sich ein abnehmbarer Hotshoe. Mit diesem Hotshoe und dem dazugehörigen Blitz ist es mit der OM-2n* möglich eine TTL Blitz-Belichtungsmessung zu realisieren.

Die ungewöhnliche Front

An der Front finden wir weitere Steuerelemente. Von vorne gesehen auf der rechten Seite am Objektivbajonett findet sich ein externer Blitzanschluss mit FP oder X Kontakt. Dieser kann umgestellt werden, so dass nicht zwei separate Anschlüsse, wie an anderen Kameras, vorhanden sein müssen.

Außerdem gibt es an der Unterseite einen B-Lock-Knopf, den man drücken muss, wenn man den Bulb-Modus aktivieren will.

Eine weitere, bei SLR-Kameras eher unübliche, technische Lösung implementiert Olympus rund um die Objektivaufnahme. Denn dort befindet sich das Einstellrad für die Belichtungszeit.

Das Objektiv wird sozusagen auf dieses Zeitenwahlrad aufgesteckt und die Zeit wird ebenso wie Blende und Focus quasi am Objektivtubus verstellt. Entgegen der Gewohnheit werden somit alle relevanten Einstellungen am Objektiv, beziehungsweise der Objektivfassung, getätigt. Dies gilt natürlich nur, wenn man nicht die Belichtungskorrektur verwendet.


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Auf einen Abblendhebel verzichtet die OM-2n*, denn dieser ist in den Objektiven bereits eingebaut. Auf der von vorne gesehen linken Seite befindet sich die Entsperrung zum Rückspulen des Filmes, übrigens die wohl schönste von allen klassischen Kameras. Darunter ist der Hebel für den Selbstauslöser angebracht. Dieser kann stufenlos zwischen 4 und 12 Sekunden eingestellt werden.

Weitere erwähnenswerte Elemente der Kamera, sind ein kleines Batterietest-LED auf der Rückseite. Außerdem ein Etikettenhalter, der bei der OM-2n von unten befüllt wird.

Auf der Unterseite finden wir das Batteriefach, ein Stativgewinde sowie die Seriennummer und den Hinweis “Made in Japan”.

Ein Wahnsinnssucher

Das Fotografieren mit der Olympus OM-2n* macht richtig viel Spaß. Ein gewichtiger Grund dafür ist der sehr große und sehr aufgeräumte Sucher.

Die wechselbare Mattscheibe bietet in der Mitte den üblichen Mikroprismenring plus Schnittbildindikator.

Am linken Rand findet sich im manuellen Modus eine Belichtungswaage, die lediglich ein plus und ein minus mit zwei Pfeilen nach oben und nach unten zeigt.

Ist die Nadel in der Mitte, stimmt die Belichtung. Befindet sich die Nadel kurz vor dem Pfeil nach oben beziehungsweise kurz vor dem Pfeil nach unten ist die Belichtung genau um eine halbe Blende zu hoch oder zu tief eingestellt.

Auf dem Pfeil ist es eine Blende, auf dem + bzw. – weicht die Belichtung um 2 Blenden ab. Dies hilft beim Fotografieren und die gewünschte Blenden-/Zeitkombination lässt sich auch bei schwierigen Lichtsituationen schnell finden.

Leider wird die Belichtungszeit beziehungsweise die genutzte Blende im Sucher nicht angezeigt. Platz genug wäre ja gewesen und es würde den Sucher zu einem der besten auf dem Markt machen.

Ich frage mich, warum heutzutage keine solchen Sucher mehr hergestellt werden. Man kann Kameras mit allem möglichen Schnickschnack kaufen, jedoch bietet keine einen annähernd so großen Sucher, wie die analogen Modelle aus den Siebzigern und achtziger Jahren.

Manchmal hätte die Reduktion aufs Wesentliche doch ein paar Vorteile.

Revolutionäre Belichtungsmessung

Ein weiteres Highlight der Olympus OM-2n* ist die Belichtungsmessung.

Schon die OM-2 besaß eine Zeitautomatik, bei der die Belichtung bei längeren Verschlusszeit dynamisch gemessen wurde.

Das bedeutet, dass die Belichtungszeit während der Belichtung angepasst werden konnte. Dies führt auch dazu, dass die OM-2, als auch die OM-2n, eine TTL-Blitzbelichtungsmessung auf Filmebene bieten konnte.

Die OM-2 war damit die erste SLR mit diesem Feature. Ein Patent von Minolta (zum Minolta X-700 Artikel) erlaubte es den Ingenieuren von Olympus mehrere Messzellen im Kameraboden sowie im Sucher anzubringen, um diese sehr fortschrittliche Messung durchzuführen.

Dieses Patent half nicht nur bei der TTL-Blitzbelichtungsmessung, sondern auch bei Langzeitbelichtungen. Denn ab circa 1/15 Sekunde oder langsamer wurde dieses Verfahren angewandt.

Als erstes maß die Kamera die Helligkeit des Motivs, um einen Anhaltspunkt zu haben, wie lange die Belichtungszeit denn ist.

Die so gemessene Zeit ist auch die Angabe, die im Sucher angezeigt wird. Bei Drücken des Auslösers wird noch während der Aufnahme die zuvor angezeigte Belichtungszeit so verändert, dass eine korrekte Belichtung stattfand.

Das alles ist natürlich sehr dankbar, wenn sich, gerade bei Langzeitbelichtung, die Lichtverhältnisse während der Aufnahme etwas änderten.

Bei den kürzeren Belichtungszeiten nutzte die Olympus OM-2n* ein aus circa 10.000 Einzelbildern computergeneriertes Durchschnittsbild, um eine möglichst genaue Lichtmessung vorzunehmen.

Fazit

“Klein, aber oho!” Das ist das erste, woran ich denken muss, wenn mir die Olympus OM-Serie in die Finger gerät. Mitte der Siebziger katapultierte sich Olympus mit ihren kleinen Fotoapparaten an die Weltspitze der Kamerahersteller.

Meiner Meinung nach gehören Maitanis Kreationen zu den empfehlenswertesten Kameras für analoge Fotografen.

Die OM-2n* ist gespickt mit Highlights, die es zu einer Freude machen, sie zu nutzen.

Die kleinen Maße, die keinen Kompromiss, sondern absoluter Fortschritt des Kamerabaus darstellen.

Die großartige Fertigungsqualität gepaart mit technischen Innovationen, wie der dynamischen Belichtungsmessung oder der TTL-Blitzbelichtungsmessung.

Schließlich der Sucher: Ich habe ja ein kleines Faible für großartige Sucher. Schon bei den Minoltas habe ich davon geschwärmt, die OM-2n kann sich ebendort einordnen. Vielleicht sogar einen Tick puristischer als eine Minolta XD-7 (zum Minolta XD-7 Artikel).

Olympus OM-2n
Olympus OM-2n*

Preislich gibt es gut erhaltene Modelle schon unter 100€. Sie hat vielleicht nicht ganz den Ruf einer Pentax K-1000 (zum Pentax K-1000 Artikel), dafür ist sie insgesamt gesehen aber die bessere Kamera.

Meines Erachtens nach ist sie jeden Cent wert. Gerade Fotografen, die klassische Kameras mit Zeitautomatik bevorzugen oder jemand, der auf akkurate Blitzbelichtungsmessung angewiesen ist, sollte sich eine OM-2n* näher anschauen.

Eine Kamera, die dem hochtrabenden Namen wird. Sollten auf dem Berg der Götter Fotos aufgenommen werden, so wäre es keine Schande, wenn die entsprechende Kamera eine OM-2n wäre.

Der 2009 verstorbene Yoshihisa Maitani hat sich mit der OM-Serie zumindest auf den Olymp der Kameradesigner gebracht. Hoffen wir, dass er heute noch genauso viel Spaß mit seinen Kreationen hat wie damals.

TR

Kamerakult

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