SLR

Konica Autoreflex T2: Der vergessenen Pionier

Ein Konica Autoreflex T2 Test / Review

Konica Autoreflex T2
Konica Autoreflex T2*

Ein technischer Vorreiter

Das Konica AR System war in einigen Punkten vielen anderen Herstellern voraus.

Konica schaffte es mit der Autoreflex T, die 1968 auf den Markt kam, ein Novum. Es war die erste Kamera, die eine vollautomatische Belichtungssteuerung bei gleichzeitiger Belichtungsmessung durch das Objektiv bot.

Genau genommen war es die zweite Kamera die dies bot. Die erste Kamera war die TopCon Auto 100. Allerdings besaß sie einen Zentralverschluss.

Die Autoreflex T war somit die erste Kamera mit Schlitzverschluss und wechselbaren Objektiven, die diese Merkmale auf sich vereinen konnte. Mehr zur Geschichte Konicas gibt es im Artikel zur Konica Autoreflex TC.

Zwar gab es bereits zuvor eine Kamera von Konica, die automatische Belichtungsmessung bot, die Konica Autoreflex, allerdings maß diese das Licht nicht durch das Objektiv.

Konica Autoreflex T2 Rückseite
Konica Autoreflex T2*

Das Zusammenspiel: TTL-Belichtungsautomatik

Umgekehrt gab es ebenfalls Kameras, die das Licht durch das Objektiv messen konnten, diese hatten aber keine Belichtungsautomatik. Die Pentax Spotmatic war eine der ersten Kameras mit Belichtungsmessung durch das Objektiv, allerdings musste man die korrekte Belichtung mithilfe einer Nadel im Sucher noch selbst einstellen.

Die Konica Autoreflex T* vereinte erstmals die oben genannten Eigenschaften gemeinsam in einer Kamera.

Konica Autoreflex T2 vs T1

Bei der hier vorgestellten Kamera handelt es sich genaugenommen um die Konica Autoreflex T2*, die sich in wenigen Punkten von ihrem Vorgänger unterscheidet. Dabei fand sogar Konica, dass diese eher einem Update als einem neuen Modell glichen und so blieb sogar der Schriftzug auf der Kamera bestehen.

Die wesentlichen Änderungen von der original Autoreflex T zur T2 sind, dass der Auslöseknopf der T2 einen Schalter zum Blockieren des Auslösevorgangs besaß, der auch gleichzeitig als Ein-/Ausschalter des Belichtungssystems diente.

Die ursprüngliche Autoreflex T besaß außerdem noch einen kleinen Hebel neben dem Verschlusszeitenrad, mit dem man die Lichtmessung überschreiben konnte. Des Weiteren hatte sie auf der linken Seite neben dem Okular ein Drehrad, um den Belichtungsmesser an- bzw. auszuschalten.

Die Kameras können auch von vorne schnell voneinander unterschieden werden, wenn man sich das Zeitenwahlrad betrachtet. Die Konica Autoreflex T2* hat eine umlaufende Rille in der Riffelung, die T besitzt diese Kerbe nicht.


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Technische Daten der Konica Autoreflex T2

KameratypKleinbild SLR mit TTL-Belichtungsmessung (Offenblendmessung)
Filmformat35mm Kleinbild 24×36 mm
VerschlussVertikal ablaufender Metallschlitzverschluss, Copal Square-S
Belichtungssteuerungmanuell oder Verschlusszeitenvorwahl (Blendenautomatik), mit alten Preset Objektiven: Steuerung über Nadel im Sucher
Messwertspeicherdurch halbes Drücken des Auslösers
Verschlusszeiten1s – 1/1000s + Bulb
Selbstauslöser4-10s Vorlaufzeit
SucherPentaprismensucher mit Vollmattscheibe und zentralen Mikroprismenpunkt, ein Schnittbildindikator gab es optional
Suchergröße0.78x Vergrößerung bei 50mm Objektiv, 92% Abdeckung
SucherinformationenBelichtungswaage mit Messnadel im M-Modus, Messnadel zur Anzeige des Blendenwertes bei Blendenautomatik
ObjektivanschlussKonica AR
FilmtransportSchnellaufzughebel, Schaltwinkel 162°, 30° Bereitschaftsstellung
SpiegelVollautomatischer Rückschwingspiegel, Spiegelvorauslösung bei Betätigung des Selbstauslösers
Zubehörschuhabnehmbarer Cold-Shoe
Filmrückspulungausklappbare Rückspulkurbel
BlitzsynchronisationX-Sync: 1/125s nur über Kabel, kein Hot-shoe, M-Sync mit allen Zeiten und Blitzbirnen der Typen M, FP und MF
Belichtungsmessungmittenbetonte Integral-Messung
MessbereichLW 1,5 – 18 bei ASA 100
Filmempfindlichkeit25 – 1600 ASA
Stromversorgung2x 1,35V Typ PX675 Quecksilber-Batterien
Abmessung (L x B x H)150 mm x 45 mm x 95 mm
Gewicht740g

Außen 60er innen 70er Jahre

Trotz der technischen Vorreiterrolle, die die Konica T Serie mit sich brachte, basieren ihre Gene immer noch auf einer Kamera aus den 1960er Jahren. Das spürt man auch direkt, denn die Konica Autoreflex T2* ist groß und schwer. Allerdings muss man ihr zugute halten, dass die Verarbeitungsqualität entsprechend hochwertig ist.

Konica Autoreflex T2 Klappe
Rückansicht Konica Autoreflex T2*

Besonderheiten bei Konica

Wie jeder Hersteller, so macht auch Konica ein paar Dinge anders als alle anderen. Eine Gefahr bei den Konica Kameras besteht für Unwissende immer darin, den Rückspulknopf zu beschädigen. Dann versucht man diesen mit Gewalt anzuheben, um die Rückklappe zu öffnen, wird nichts passieren, außer dass man den Rückspulknopf verbiegt.

Das liegt daran, dass Konica ein bestimmtes System zum Öffnen der Rückklappe benutzt. Dort ist ein kleiner Schiebe Mechanismus seitlich in der Kamera eingebaut, den man auf Höhe der Bodenplatte nach unten ziehen muss.

Tut man dies, so springt die Klappe ohne jegliche Probleme auf. Sollte die Rückklappe dennoch etwas festhängen, baute Konica eine Aussparung in der Bodenplatte ein, wo man mit dem Daumen die Rückplatte öffnen kann.

Konica Autoreflex T2 Unterseite
Unterseite der Konica Autoreflex T2*

Der Boden der Konica Autoreflex T2

Wenn wir gerade bei der Bodenplatte sind, schauen wir uns diese genauer an. Sie enthält neben einem Stativgewinde in optischer Achse zum Objektiv noch drei weitere Elemente. Erstens den Rückspulknopf, zweitens einen Batterietestknopf und drittens die Öffnung für die Batterien.


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Das Quecksilberproblem

An diesem Punkt sind wir schon bei einem der Probleme der Konica Autoreflex T2* angelangt. Dann sie nutzt noch Quecksilberbatterien.

Dies ist ein durchgehendes Ärgernis für alle, die solch alte Kameras gerne nutzen wollen. Zwar gibt es Möglichkeiten das Problem zu umgehen, allerdings sind diese entweder kompliziert oder teuer.

Am einfachsten ist vielleicht noch die Möglichkeit einfach 1,5 V Batterien statt 1,35 V Quecksilberbatterien zu nutzen.

Dann stimmt zwar der Belichtungsmesser nicht mehr genau, aber damit kann insofern umgegangen werden, als dass man sich den Unterschied, den die Spannung für die Belichtungsmessung macht, merkt. Dieser Unterschied, sagen wir mal eine Blende zu wenig, wird dann entsprechend beim Messen addiert.

Ansonsten bleiben einem die üblichen Weincell-Batterien* oder aber ein kleiner Adapter für 1,5 V Knopfzellen* der die Spannung auf 1,35 V runter reguliert.

Rückseite der Konica Autoreflex T2

Die Rückseite der Konica Autoreflex T2* hat nicht sonderlich viel zu bieten. Die aufklappbare Rückwand besitzt leider noch kein Fenster, um ein Kärtchen des benutzten Films zu platzieren. Ansonsten finden wir noch die Seriennummer sowie den Sucher.

Der Sucher ist insofern etwas besonderes, als dass er gleichzeitig auch als Schraubaufnahme für den Zubehörschuh dient. Der Zubehörschuh ist allerdings leider nur ein Coldshoe.

Er kann also nicht mit moderneren Blitzen, die einen Mittenkontakt aufweisen, benutzt werden. Zumindest nicht über den Schuh selbst. Der Blitz muss über ein Kabel an den X-Sync-Port angeschlossen werden.


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Sucher der Konica Autoreflex T2

Verglichen mit anderen Kameras, ist der Sucher der Konica Autoreflex T2* etwas enttäuschend. Die Vergrößerung von 0,78 ist für heutige Verhältnisse zwar ziemlich groß, aber ihre Zeitgenossen boten da oft etwas mehr. Auch die 92-prozentige Abdeckung des tatsächlichen Bildes ist eher am unteren Ende angesiedelt.

Dafür bietet die Kamera ein kleines Fenster unten in der Mitte, dass die aktuell eingestellte Verschlusszeit anzeigt.

Auf der rechten Seite findet sich eine Belichtungswaage, bei der man mit einer Nadel die entsprechende Blende einstellen kann, wenn man im manuellen Modus fotografiert. Im Automatikmodus dient sie zur Kontrolle der automatisch eingestellten Blende.

Über der Belichtungswaage befindet sich noch ein M, das allerdings verschwindet, wenn man in die Blendenautomatik wechselt.

Die Bedienelemente der Konica Autoreflex T2

Auf der linken Schulter der Konica Autoreflex T2* finden wir neben dem sehr soliden verarbeiteten Rückspulknopf lediglich ein kleines Zeichen, dass die genaue Lage der Film Ebene an gibt.

Konica Autoreflex T2 Bedienelemente
Konica Autoreflex T2*

Dass dies angegeben wird ist nicht unbedingt üblich, aber es wird mit Sicherheit den ein oder anderen Makrofotografen erfreuen.

Denn mit Hilfe der Filmebenenangabe kann der genaue Abstand zwischen Film und dem zu fotografierenden Objekt gemessen werden, um so noch genauer fokussieren zu können. In Zeiten in denen es kein digitales Vorschaubild gab, war dies durchaus hilfreich.

Auf der rechten Schulter finden wir die üblichen Bedienelemente. Dabei wird ein klassisches Layout gewählt, bei dem der Auslöseknopf mittig zwischen Transporthebel und Zeitenwahlrad liegt.

Konica Autoreflex T2 Sucher
Rückansicht mit aufgesetztem Cold-Shoe

Komplizierter Batterie-Check

Das Zeitenwahlrad dient auch gleichzeitig zur Einstellung der Filmempfindlichkeit. Durch leichtes Anheben kann die Filmempfindlichkeit, die sowohl als ASA als auch als DIN Zahl angegeben wird, verstellt werden.

Als Besonderheit wird 100 ASA beziehungsweise DIN 21 rot dargestellt. Ebenso wird die 1/125s rot dargestellt. Die roten Ziffern müssen gewählt werden, wenn die Batteriespannung gemessen werden soll.

Stellt man beides auf rot und drückt dann den Batteriecheck-Knopf an der Unterseite, müsste die Nadel im Sucher genau auf der Batteriecheckmarkierung stehen bleiben, die zwischen Blende 8 und 11, ebenfalls in rot, eingezeichnet ist.

Konica Autoreflex T2 Oberseite
Die Bedienelemente der Konica Autoreflex T2*

Ansonsten kann das Zeitenrad von 1/1000s bis B verstellt werden. Dabei kann es nicht durchgängig gedreht werden, sondern hat feste Endstellungen bei 1/1000s und B.

Der vollmetallene Filmtransporthebel besitzt eine 30° Bereitschaftsposition, um schneller bedient werden zu können.

Eine weitere Besonderheit der Konica Autoreflex T2* ist der Schalter rund um den Auslöseknopf, mit dem man ein Auslösen blockieren und den Belichtungsmesser anschalten kann. Der Auslöser an sich besitzt ein Innengewinde, um einen üblichen Drahtauslöser anzubringen.

Direkt daneben befindet sich noch das Fenster, das anzeigt wie viel Film noch übrig ist.

Konica Autoreflex T2 Front
Selbstauslöser der Konica Autoreflex T2*

Die Front der Konica Autoreflex T2

Die Front der Konica Autoreflex T2* beherbergt neben dem Schriftzug noch einen Selbstauslösehebel, der auch gleichzeitig die Spiegelvorauslösung aktiviert. Auf der rechten Seite sind zwei Blitzsynchronbuchsen, einmal ein M und einmal ein X Port.

Rund um das Bajonett befindet sich in der oberen rechten Ecke ein kleiner roter Punkt, an dem man erkennen kann wie das Objektiv angesetzt werden muss.

Unten rechts ist der Entriegelungsknopf und unten links befindet sich ein Abblendknopf.

Fotografieren mit der Konica Autoreflex T2

Ein echter Brocken die Konica. Dadurch passt sie aber auch gut in meine etwas größeren Hände. Sie liegt auch gut in der Hand, allerdings merkt man nach einiger Zeit das Gewicht in den Handgelenken.

Der Auslösevorgang spielt sich völlig unauffällig ab und funktioniert reibungslos, insbesondere, wenn die Automatik genutzt wird.

Der Sucher macht für mich einen etwas trüben Eindruck. Ich denke aber, dass es hauptsächlich an dem Glas direkt am Okular liegt. Ein Ausbau der Deckplatte mit gründlicher Reinigung könnte bei meinem Exemplar eventuell Abhilfe schaffen.

Der aufschraubbare Zubehörschuh hat innerhalb des Rings, der rund um das Okular sitzt, eine weitere Plexiglasscheibe, die natürlich verschmutzen kann und nicht gerade förderlich auf einen klaren Durchblick wirkt.

Dadurch sind auch die Anzeigen im Sucher nicht so gut erkennbar. Insgesamt ist es doch etwas anstrengender mit einem trüben Sucher. Aber, wie gesagt, vielleicht muss nur einmal ordentlich gereinigt werden, damit es wieder passt.

Fazit über die Konica Autoreflex T2

Insgesamt ist die Konica Autoreflex T2* eine klassische Kamera aus den 60er beziehungsweise 70er Jahren des vergangenen Jahrhunderts. Sie unterscheidet sich optisch nicht wirklich von Produkten anderer Hersteller, wie zum Beispiel der Pentax Spotmatic.

Das ist in meinen Augen auch sehr angenehm, denn diese Kameras sehen einfach klassisch und zeitlos aus. Das rote T der Konica gibt ihr aber einen leicht individuellen Touch.

Alles in allem ist die Konica Autoreflex T2 eine sehr schön anzusehende Kamera. Die Belichtungssteuerung war ihrer damaligen Zeit voraus.

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Außerdem ist die Kamera äußerst robust verbaut. Die Kehrseite der Medaille ist das hohe Gewicht und die großen Maße.

Verglichen mit gleichaltrigen Kameras liegt die Konica allerdings absolut im Schnitt. Der Sucher der Kamera ist für meinen Geschmack leider etwas klein und trüb, allerdings bietet er alle wesentlichen Anzeigen.

In der Regel wird die Kamera mit einem Mikroprismenpunkt In der Mitte geliefert, wenn man Glück hat findet man aber auch welche die den optionalen Schnitt Bildindikator angebaut hatten. Dies stellt meiner Meinung ein kleines, aber nicht unwichtiges Upgrade dar.

Vielleicht sollte man noch ein Wort zu den Konica AR Objektiven verlieren. Diese sind meiner Meinung nach oft unterschätzt und in der Regel sehr günstig zu erhalten.

Kaufempfehlung

Wer also auf einen günstigen Kauf achten muss, aber trotzdem eine klassische, robuste und schön anzusehende Spiegelreflexkamera haben möchte, der sollte unbedingt bei der Konica Autoreflex T2* oder ihren Schwestern der ursprünglichen Konica T beziehungsweise den Nachfolgern T3 vorbeischauen.

Diese Kameras gibt es inklusive dem wirklich guten 50mm 1.7 Objektiv in der Regel für unter 50 €. Für einen solchen Preis sind sie allemal tolle Begleiter.

Man sollte aber im Hinterkopf behalten, dass die Kamera leider die nicht mehr verfügbaren Quecksilberbatterien nutzt. Fällt die Entscheidung also auf den Kauf einer Konica Autoreflex T2 , muss wohl oder übel mit den Nachteilen bei der Stromversorgung gelebt werden.

Wer die Kamera manuell mit einem externen Belichtungsmesser nutzen möchte, für den habe ich in einem weiteren Artikel bereits verschiedene Optionen vorgestellt. Dabei ist auch eine Möglichkeit, wie dies ganz umsonst bewerkstelligt werden kann.

TR

Kamerakult

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1 Comment

  • Reply
    Helge
    10. November 2023 at 21:01

    Hi
    in dieser Stellung mit halb abgelaufenen Seltimer sollte die Kamera gar nix tun…

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