Objektiv Reviews Pentax M42

SMC Takumar 55mm 1.8: Lässt Radioaktivität es optisch strahlen?

Ein SMC Takumar 1:1.8/55mm Test / Review

Auf der Suche nach neuen Kameras fange ich häufig jede Menge Beifang ein. Filter, Taschen, Kabelfernauslöser oder Objektive.

Oftmals sind es die Kit-Objektive, die damals mit der Kamera ausgeliefert wurden. Leider begegnen einem des Öfteren diese günstigen Zooms von Drittanbietern. Sie scheinen die unbeliebtesten Objektive überhaupt zu sein – auch wenn ihr Ruf meistens schlechter ist als ihre tatsächliche Leistungsfähigkeit.

Und von ihrer Verarbeitung, oft noch vollkommen aus Metall, könnten sich heutige Objektive gerne ein, zwei Scheiben abschneiden.

Ein Bestseller

Aber manchmal kommt es auch vor, dass an der Kamera ein kleines Juwel hängt. Solche Objektive sind das vielfache der Kamera wert, mit der sie angeboten werden. Aber so viel Glück habe ich selten.

Es besteht jedoch durchaus eine gute Chance das Standard 50mm Objektiv zu ergattern, insbesondere bei älteren Kameras. So auch der Fall bei der Pentax Spotmatic F (hier geht es zum Bericht).

Eine der letzten und vielleicht die beste Pentax mit M42 Bajonett brachte mir eine der millionenfach hergestellten 55mm 1.8 Objektive der Firma aus Japan – das SMC Takumar 55mm 1.8*. Nun war es mein einziges M42 Objektiv, das ich hatte. Da es schonmal da war und sowieso an der Kamera hing, warum nicht gerade nutzen?

Vorurteile gegen alte Objektive

Nun gibt es ja seit jeher vorgefertigte Meinungen, manchmal sogar Vorurteile gegenüber bestimmten Dingen oder Tatsachen.

Gerade von solch alten Objektiven erwartete ich daher nichts besonderes. Frühe Objektivbeschichtungen seien bestimmt weit weg von heutigen Technologien.

Objektivrechnungen können ohne Computernutzung nicht an aktuelle Rechnungen heranreichen.

Pentax ist heutzutage auch nicht als ein Vorreiter von Innovation bekannt. Zusammengefasst: Die Erwartungen waren nicht besonders hoch.

Das Takumar sollte mich zurechtweisen.

M42 läuft aus

Anfang der 1970er Jahre waren die Zeiten für das gute, alte M42 Bajonett gezählt. Zumindest aus Pentax-Sicht.

1975 würde das neue K-Bajonett übernehmen. Technologische Fortschritte an den Kameras zwangen Pentax dazu diesen Weg zu gehen. Ein Festhalten am alten Standard bot keine Zukunft.

Dennoch entschloss man sich Anfang der 1970er Jahre für seinen Kassenschlager, die Pentax Spotmatic, nochmal die aktuellsten Technologien bereitzustellen.

Namensgebung der Takumare

Ursprünglich nutze Asahi Pentax für seine 1952 erschienene Asahiflex noch das M37 Gewinde.

Ab 1957 wurden die Kameras und Objektive auf M42 umgestellt. Dass die Objektive auf den Namen “Takumar” hörten, war dem Bruder des Gründers der Asahi Optical Company geschuldet. Dieser hieß mit Vornamen Takuma.

Bis zur Einführung des K-Bajonett bezeichnete Pentax die Top-Objektive mit “Takumar”. Ab dem Wechsel zum heute noch aktuellen Bajonett hießen die besten Objektive dann “SMC Pentax”.

SMC steht dabei für Super-Multi-Coated, Pentax’ eigener Mehrfachvergütung für Linsen.

Namenswirrwarr bei den Takumaren

Bereits 1958 entstand aus den ursprünglichen Takumaren neue Versionen mit Springblende, ab sofort “Auto-Takumar” genannt.

Diese Art Objektive hatten in der Regel einen kleinen Hebel, um das Objektiv von Arbeitsblende auf Offenblende umzuschalten.

Bei Offenblende fällt das Fokussieren wesentlich einfacher. Beim Auslösen sprang die Blende dann wieder zurück auf den vorher eingestellten Wert.

Die nachfolgenden Objektive mit der Bezeichnung “Super-Takumar” perfektionierten die Springblende insofern, als dass kein Hebel mehr zur manuellen Umschaltung auf Offenblende nötig war.

SMC Takumar 55mm 1.8* an Pentax Spotmatic F

S-M-C und SMC?

Zwei Schritte weiter gingen dann ab 1971 die Objektive mit der Bezeichnung “Super-Multi-Coated Takumar”, auch als S-M-C abgekürzt.

Die Bindestriche sind wichtig, um sie von den späteren SMC Takumaren* zu unterschieden. Mit den S-M-C Objektiven hielt zum einen Pentax’ Mehrschichtvergütung Einzug, zum anderen wurde TTL-Offenblendmessung möglich.

Allerdings nur an ausgewählten Kameras ab der Spotmatic F. Ab 1972 änderte sich die Bezeichnung dann in “SMC Takumar“*. Einziger Unterschied ist die Verwendung von gummierten Fokusringen.

Wenn ich nicht wüsste, dass es gummiert ist, hätte ich glatt auf Metall getippt. Das wirklich exzellent verarbeitete Zeiss Planar 50mm 1.4 für Contax/Yashica fühlt sich jedenfalls mehr nach Gummi an als das Pentax. Soviel dazu.


Vielleicht interessiert dich auch mein Zeiss C Biogon 35mm 2.8 Artikel


Mein Objektiv strahlt!

Eine weitere Besonderheit dieses SMC-Takumars* ist seine Radioaktivität. Es gibt einige Objektive, die Radioaktivität zeigen. (hier eine Liste https://camerapedia.fandom.com/wiki/Radioactive_lenses)

Grund hierfür ist die Verwendung von Thoriumoxid als Bestandteil des Glases.

Dieses Verfahren wurde bis in die 1970er Jahre durchgeführt. Durch die Nutzung dieses radioaktiven Stoffen bei der Glasherstellung produzierten die Hersteller Glas, welches eine höhere Brechkraft und gleichzeitig geringere Streuung aufwies als vergleichbare Linsen, die ohne Thoriumoxid hergestellt wurden.

Der Vorteil für die Kamerahersteller bestand darin, dass Linsenelemente mit geringerer Krümmung notwendig waren, um die gleiche Ergebnisse zu erzielen. Diese waren wiederum günstiger herzustellen.

Die über die Jahre hinweg durch die Radioaktivität entstandene, leicht gelbliche Verfärbung der betroffenen Linsenelemente gibt es gratis dazu. Zwar sind nicht alle Objektive vom Typ Takumar 55mm 1.8 radioaktiv, mein Exemplar aber schon.

SMC Takumar 55mm 1.8
Super Multi Coated – wahrlich super

Der Ursprung des Takumar 55mm 1.8

Die Ursprünge des Pentax SMC Takumar 55mm 1.8* reichen zurück bis nach Deutschland ins Jahr 1951.

Das von Albrecht Wilhelm Tronnier für Voigtländer entwickelte Nokton bestand aus 7 Elementen in 5 Gruppen. Ryohei Suzuki entwickelte auf dieser Basis das Takumar 55mm 1.8.

Es enthält 6 Elemente in 5 Gruppen. Beide Objektive gehen auf ein klassisches von Gauß entwickeltes, symmetrisches Doppelobjektiv aus 4 Elementen zurück.

Mehr darüber erfahrt ihr in meinem Artikel zum Voigtländer 50mm/1.5 Nokton VM (Hier gehts zum Review des Nokton).

Technische Daten des SMC-Takumars 55mm 1.8

Format35mm Kleinbild
BajonettM42 Schraubbajonett
Optik6 Elemente in 5 Gruppen
Fokussierungmanuell
Filteraufnahme49mm Einschraubfilter
Blendeautomatisch, 6 Blendenlamellen
Blendenbereichf/1.8 – f/16
Minimumfokusdistanz45cm
Maximale Vergrößerung0,17x
VergütungSMC-Mehrschichtvergütung
Bildwinkel (diagonal / horizontal)43° / 36°
Produktcode37108
Größe (in mm)59 x 38
Gewicht201g

Vorwort zu meinen Betrachtungen

Meine Einschätzungen beziehen sich auf Bilder, die ich mit dem Objektiv gemacht habe und meine Erfahrungen mit dem Objektiv in der Hand. Ich werde keine MTF-Tabellen zeigen können, da ich nicht das Equipment dazu besitze.

Außerdem ist das Besondere an meinen Betrachtungen, dass sich meine Beobachtungen auf Film und nicht auf digital erstelle Fotos bezieht.

Das bedeutet, dass es lediglich relevant ist, wie sich das Objektiv auf dem Medium verhält, für das es ursprünglich einmal vorgesehen war.

Haptik des SMC-Takumar 55mm 1.8

Früher war alles besser. Ein abgedroschener Satz, der meistens doch nicht stimmt, insbesondere in seinem Anspruch, dass alles besser war.

Aber, Mensch, warum gibt es heute nicht mehr solche Objektive? Fast 50 Jahre alt und wenn ich am Fokusring drehe fühlt es sich an wie frisch aus der Fabrik.

Der Drehwiderstand ist etwas schwergängiger als bei anderen Objektiven, aber der Tubus gleitet einfach nur super-sanft raus, wenn man sich der Naheinstellgrenze nähert.

Dabei absolut griffig und handschmeichlerisch. Ebenso der Blendenring. Vertrauenserweckend klickt er im Abstand von halben Blenden.

Gewöhnen musste ich mich lediglich an die “falsche” Drehrichtung. So gelangt man zu Unendlich und der kleinsten Blende mit einem Rechtsdreh, statt einem Dreh nach links.

Exzellent ist auch die farbliche Gestaltung. Weiß auf schwarz heben sich die Blendenwerte ab, zum einen auf dem Blendenring, zum anderen auch auf dem Tubus, will man Zonenfokussierung nutzen.

Leicht gelblich erscheint der eingestellte Entfernungswert im Meter und hellblau hebt sich die Fuß-Skala ab. Der Objektivdeckel, ebenfalls aus Metall, gleitet ebenfalls sanft über das Innere des Tubus.

Er dient nicht nur dem Schutz der Gläser, sondern bei der Spotmatic auch zum Ausschalten des Belichtungsmessers. Denn dieser misst, sobald Licht durchs Objektiv einfällt.

zerbrochener Krug
SMC Takumar 55mm 1.8*, Blende 4, 1/1000s, Kodak TMax 100 in XTOL

Schärfe

Wie schlägt sich ein fast 50 Jahre altes Objektiv im Jahre 2020 bezüglich der Schärfe?

Nun, typisch, wie die meisten ~50mm Objektive mit Anfangsblende 1.8 – 2. Bei Offenblende etwas weich, aber ab Blende 4 absolut scharf in der Bildmitte, wo die wichtigsten Bildelemente liegen.

Ab Blende 5,6 wirklich auch bis nach außen sehr gut brauchbar. Für Fotografen, die Film nutzen, absolut wundervoll für die meisten Lebenslagen.

Mercedes Benz
SMC Takumar 55mm 1.8*, Blende 4.8, 1/125, Kodak TMax 100 in XTOL
VW New Beetle
SMC Takumar 55mm 1.8*, Blende 2.8, 1/1000s, Kodak TMax 100 in XTOL

Kontrast

Der Kontrast bewegt sich etwas auf der flaueren Seite. Auch wenn die Schärfe mit kleinerer Blendenöffnung zulegt, bleibt der Kontrast etwas hinten dran.

Klar, es wird auch etwas knackiger nach Abblenden, jedoch bleibt stets ein leicht kontrastarmer Look.

SMC Takumar 55mm 1.8*, Blende 2.8, 1/60s, Kodak Gold 200
Kürbisse
SMC Takumar 55mm 1.8*, Blende 2.8, 1/60s, Kodak Gold 200

Bokeh

Das Bokeh, also die Qualität der unscharfen Bereiche, ist für meine Augen gut.

Leicht nervös bis Blende 4, aber da gibt es wesentlich schlechtere Objektive in der “50mm 1.8”-Klasse. Mir hat es von Anfang an sehr gut gefallen.

Natürlich ist dies immer eine sehr subjektive Sache. Würde ich es als weites Portrait-Objektiv empfehlen? Auf jeden Fall.

Blume Bokeh
SMC Takumar 55mm 1.8*, Blende 1.8, 1/60s, Kodak Gold 200

Voigtländer 50mm/1.5 Nokton VM

Vielleicht interessiert dich auch mein Voigtländer Nokton 50mm 1.5 VM Artikel


Pflanze Bokeh
SMC Takumar 55mm 1.8*, Blende 2.8, 1/60s, Kodak Gold 200

Charakter

Dass das SMC Takumar 55mm 1.8* für meinen Geschmack ein gutes Portraitobjektiv ist, liegt auch im Zusammenspiel all seiner Eigenschaften.

Zum einen die leicht flauen Kontraste zusammen mit dem meist gutmütigen Bokeh. Auf der anderen Seite aber vor allem die Farben, die ich mit dem Objektiv erhalte.

Vielleicht ist Vintage ein ausgelutschter Begriff, aber das war das erste, was mir in den Kopf kam, als ich die Bilder vom Entwickeln zurück bekam.

Warme, gedämpfte und leicht entsättigte Farben. Ich stehe drauf. Wieviel Einfluss das leicht gelbliche, radioaktive Rückelement des Objektivs auf die Farbgebung ausübt ist schwer zu sagen.

Jedenfalls trifft es meinen Geschmack. Es vermittelt einfach das Gefühl eines lauen Sommerabends.

Beeren Bokeh
SMC Takumar 55mm 1.8*, Blende 4, 1/1000s, Kodak Gold 200

Verzeichnung

Mir ist eine minimal kissenförmige Verzeichnung aufgefallen, aber nichts Nennenswertes. Das Takumar kann guten Gewissens ohne Korrektur genutzt werden.

Verzeichnung Takumar SMC 55mm 1.8
SMC Takumar 55mm 1.8*, Blende 9.5, 1/125s, Kodak Gold 200

Chromatische Aberrationen

Ich habe kaum welche gefunden. Eventuell ein bisschen cyanfarbene Ränder hier und da, aber nichts Weltbewegendes.

Baumstämme Bokeh
SMC Takumar 55mm 1.8*, Blende 1.8, 1/60s, Kodak TMax 100 in XTOL

Gegenlichtverhalten und Blendensterne

Das SMC Coating scheint gute Arbeit zu leisten. Das SMC Takumar 55mm 1.8* liefert sich keine gröberen Aussetzer, Blendensterne sind leider nicht besonders üppig, da nur 6 Blendenlamellen verbaut wurden.

SMC Takumar 55mm 1.8*, Blende 1.8, 1/60s, Kodak TMax 100 in XTOL

Fazit

Schaut man sich alle Punkte genau an, könnte man meinen, dass das Pentax SMC Takumar 55mm 1.8* ein Objektiv wie jedes andere Standard-50er ist.

Ganz so falsch liegt man mit dieser Einschätzung auch nicht.

Allerdings steckt der Teufel im Detail. Ein bisschen weniger Kontrast hier, ein bisschen Bokeh da, garniert mit einer wirklich superben Farbgebung und schon hat man ein tolles Standardobjektiv, das sich doch etwas absetzen kann von der Konkurrenz.

Hinzu kommt eine absolut erstklassige Verarbeitungsqualität.

Ist das rumspielen an der Kamera nicht mindestens genauso schön wie die Bildaufnahme an sich? Wer jetzt ein leichtes “JA” im Kopf hört, dem empfehle ich einfach mal das Takumar auszuprobieren.

Man wird es nicht bereuen. Was kostet nun der Spaß? Ab ca. 50€ sollte ein gutes Exemplar zu haben sein. Diesen Preis ist es auf jeden Fall wert. Wer Glück hat, bekommt es für einen nicht unwesentlich höheren Preis sogar zusammen mit der passenden Kamera, vielleicht sogar der Spotmatic F.

TR

Kamerakult

Der Artikel gefällt Dir? Ich würde mich sehr über eine kleine Spende freuen – übrigens auch wenn der Artikel nicht gefiel 😉 Einfach auf den Spenden Button klicken und per Paypal spenden. DANKE!



Danke fürs Interesse und eine kleine Bitte:

Falls Euch meine Inhalte gefallen, unterstützt meine Seite und nutzt folgende Links, um über eBay oder Amazon einzukaufen. Es kostet Euch nichts außer einen Klick, aber es hilft mir diese Seite am Laufen zu halten. Danke!

Amazon DE*

eBay DE*

Die mit Sternchen (*) gekennzeichneten Links sind sogenannte Affiliate-Links. Wenn du auf einen solchen Affiliate-Link klickst und über diesen Link einkaufst, bekomme ich von dem betreffenden Online-Shop oder Anbieter eine Provision. Für dich ist es kostenfrei! Danke! Als Amazon-Partner verdiene ich an qualifizierten Verkäufen.

You Might Also Like...

No Comments

    Leave a Reply