Leica M Mount Objektiv Reviews

Zeiss C Biogon 35mm 2.8: Warum es das beste 35er für Leica M ist

Ein Zeiss C Biogon T* 2.8/35mm ZM Test / Review

ZEISS C Biogon T* 2,8/35 ZM
ZEISS C Biogon T* 2,8/35 ZM*

Warum das ZEISS C Biogon T* 2,8/35 ZM?

Warum in aller Welt sollte man ein Objektiv kaufen, insbesondere eine Festbrennweite, mit einer maximalen Blendenöffnung von 2.8?

Wenn auch Du Dir diese Frage stellst, sei gewarnt: Das kleine ZEISS C Biogon T* 2,8/35 ZM* könnte deine Überzeugung dazu in den Grundfesten erschüttern.

Klar ist es eine beliebte Brennweite. 35mm und 50mm sind die Brot und Butter Festbrennweiten.

Der Verkaufserfolg von Kameras wie z. B. der Fujifilm X100 Serie zeigt, wie beliebt die universelle Brennweite von 35mm bei Kleinbildkameras ist.

Deshalb hat jeder Hersteller (höchstwahrscheinlich, ich habe es aber nicht stichhaltig geprüft) mindestens ein 35mm Objektiv im Angebot.

2004 – Ein letztes, analoges Hurra

Als Zeiss sich im Jahr 2004 entschloss die Marke “Ikon” wiederzubeleben, entschieden sie sich nicht dafür ein eigenes Bajonett einzuführen, sondern eine Messsucherkamera mit M-Bajonett, das bis heute auch von Leica genutzt wird, zu entwerfen.

Die Zeiss Ikon ZM sollte bei ihrer Markteinführung auch von hauseigenen Objektiven begleitet werden. Der Name Zeiss stand schließlich von jeher für höchste Qualität im Objektivbau.

ZEISS C Biogon T* 2,8/35 ZM
Rückseite

Die ZM Objektive

Gleich 11 Objektive von 15mm bis 85mm stellt Zeiss der Ikon ZM zur Seite. Und drei der elf Objektive wurden mit der gleichen Brennweite von 35mm.

Ein ZEISS Distagon T* 35mm 1.4 ZM, das ZEISS Biogon T* 2,0/35 ZM und das hier vorgestellte ZEISS C Biogon T* 2,8/35 ZM*.

Auf dem Papier drei Objektive, die sich vor allem in ihrer Offenblende unterscheiden. Eine klare Drei-Klassen-Gesellschaft also. Angeführt vom 1.4er Distagon über den Allrounder, dem Blende 2 Biogon, zum 2.8er Objektiv, das, nunja, auf den ersten Blick den Trostpreis bekommt.

Dass dem nicht so ist, zeigt sich im Folgenden.

ZEISS C Biogon T* 2,8/35 ZM
Vorderseite

Technische Daten des ZEISS C Biogon T* 2,8/35 ZM

Brennweite35 mm (scheint tatsächlich etwas länger zu sein)
FilterdurchmesserM43 x 0.75
Länge29,8mm
Gewicht lt. Hersteller / gemessen200 g / 178g
Aufbau7 Elemente in 5 Gruppen
BeschichtungZeiss T* Mehrfachvergütung
BlendenringVerstellbar in 1/3 Schritten mit Klicks
Objektfeld bei Naheinstellung410 x 620 mm
Anlagemaß27.80 mm
Sensorformat35mm Kleinbildfilm / Vollformatsensor
Abbildungsmaßstab bei Naheinstellung1:17
Blendenbereichf/2.8 – f/22
ObjektivtypWeitwinkel
AnschlussLeica M
Fokussierbereich0.7 m – ∞
Blendenlamellen10 gerade
Herstellungbei Cosina in Japan

Vorwort zu meinen Betrachtungen

Meine Einschätzungen beziehen sich auf Bilder, die ich mit dem Objektiv gemacht habe und meine Erfahrungen mit dem Objektiv in der Hand. Ich werde keine MTF-Tabellen bereitstellen, da ich nicht das notwendige Equipment dazu besitze.

Außerdem ist das Besondere an meinen Betrachtungen, dass sie sich auf Film und nicht auf digital erstelle Fotos bezieht. Das bedeutet, dass es lediglich relevant ist, wie sich das Objektiv auf dem Medium verhält, für das es ursprünglich einmal vorgesehen war.

ZEISS C Biogon T* 2,8/35 ZM
ZEISS C Biogon T* 2,8/35 ZM*

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Das ZEISS C Biogon T* 2,8/35 ZM in der Hand

178g bringt das Biogon 2.8* auf die Waage – 22g weniger als die offizielle Werksangabe. Schön leicht also. Wenn man das Objektiv jedoch in die Hand nimmt, fühlt es sich aber erstmal relativ schwer an – warum?

Weil es so ultra-kompakt daherkommt. Hier wurde nicht an der Verarbeitungsqualität gespart. Metallgehäuse mit geriffeltem Fokusring und geriffeltem Blendenring.

Beide Ringe haben eine unterschiedlich starke Riffelung, sodass sie auch blind auseinander gehalten werden können. Insgesamt strotzt das Objektiv vor Qualität.

Leichter Patzer in der B-Note

Lediglich der Frontdeckel ist etwas klapprig. Leider gibt es auch keine mitgelieferte Streulichtblende. Die original Zeiss Blende* ist dabei nicht gerade günstig.

Allerdings wird sie auf ein Bajonett am äußeren des Objektivs aufgesteckt, was einen kleinen Vorteil mit sich bringt. Nutzt man nämlich eine günstige Metallblende für das Innengewinde, muss man aufpassen.

ZEISS C Biogon T* 2,8/35 ZM mit etwas klappriger Lenscap

Denn bei gleichzeitiger Nutzung von einer solchen Streulichblende mit einem Farbfilter kann es dazu kommen, das der Blick durch den Sucher von der Streulichtblende verstellt ist. Das kann bei Nutzung des äußeren Bajonetts nicht passieren.

Vorausgesetzt man nimmt eine sogenannte vented-hood. Also eine Streulichtblende, die Löcher besitzt, um den Blick durch den Sucher nicht zu verstellen. Als Kompromisslösung gibt es auch eine passende Blende von Voigtländer*, preislich aber auch kein Schnapper.

Eingebaute Fokushilfe

Hilfreich dabei ist auch der kleine Fokusknubbel direkt gegenüber der Entfernungsskala. Diese ist wunderbar mit einem Finger zu bedienen.

Außerdem hilft sie beim schnellen fokussieren. Denn nach einiger Zeit weiß man einfach, auf welcher Position der Knubbel sein muss, bei Fokussierung auf 3m Entfernung – oder 5m.

Ist es besser als ein Leica Fokustab? Geschmacksache würde ich sagen. Mir gefällt die Zeiss Version. Von der Nah- bis zur Unendlichstellung muss der Fokusring etwa um 90° gedreht werden. Ein guter Kompromiss für ein 35mm Objektiv. Nicht zu lang, aber dennoch genau genug.

ZEISS C Biogon T* 2,8/35 ZM
Fokusknubbel des ZEISS C Biogon T* 2,8/35 ZM *

Die inneren Werte

Das ZEISS C Biogon T* 2,8/35 ZM* besteht aus 7 Elementen in 5 Gruppen und ist, wie die meisten neuen Biogon-Designs, (fast) symmetrisch aufgebaut.

Dabei ragt die Rücklinse relativ weit ins Kameragehäuse hinein. Bei Filmkameras kein Problem. Bei Digitalen kommt es jedoch zu unscharfen Rändern, sogenanntem Smearing, da moderne Sensoren wesentlich dicker als ein 35mm Film ist.

Sollte ein Einsatz an einer digitalen Kamera geplant sein, ist eine Modifizierung des Sensors zu empfehlen. Z. B. Kolari Vision in den USA bieten solche Mods für ein paar Hunderter an.

Schärfe

Eigentlich gehe ich, was diese Kategorie angeht, mit dem guten alten Ken Rockwell konform: Schärfe ist wohl das meist überschätzte Kriterium für ein Objektiv.

Wenn das Lachen des eigenen Kindes auf dem Foto zu sehen ist, das Bild aber etwas verwackelt und fehlfokussiert ist, was soll’s? Trotzdem hängt man es sich auf. Die rasiermesserscharfe Backsteinwand? Eher nicht.

Fendt Farmer 2 auf Ilford PanF+
ZEISS C Biogon T* 2,8/35 ZM* auf Ilford PanF+, Blende unbekannt, vermutlich 4 oder 5.6

Nichtsdestotrotz ist Schärfe sicherlich eine Stärke dieses Objektivs. Schon bei Offenblende definitiv ultrascharf. Klar wird’s noch etwas mehr, wenn man abblendet, aber muss man gar nicht, genug Schärfe für alle Lebenslagen.

Baumstamm mit Pilzen auf Kentmere 400
ZEISS C Biogon T* 2,8/35 ZM* auf Kentmere 400, Blende 5.6

Charakter

Ich will hier keine religiösen Grabenkämpfe auslösen, aber an diese Begriff scheiden sich die Geister. Aber ich bringe ihn trotzdem: 3D-Pop. Wie auch immer man es definiert, der leichte, sukzessive Schärfe und Kontrastabfall von der Ebene höchster Schärfe aus.

Ich sehe ihn, besonders bei diesem Objektiv – auch wenn bei 35mm und Offenblende 2.8 natürlich nicht so viel Freistellung möglich ist. Abgesehen davon, bildet das Objektiv neutral ab. Schwarz-Weiß Fotos haben eine wunderbare Tonalität.

Eichenblätter auf Kodak Gold
ZEISS C Biogon T* 2,8/35 ZM* auf Kodak Gold, Blende unbekannt

Voigtländer 50mm/1.5 Nokton VM

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Gestrüpp auf Kodak Gold
ZEISS C Biogon T* 2,8/35 ZM* auf Kodak Gold, Blende unbekannt

Bokeh

Sicherlich ebenso subjektiv wie der 3D-Pop. Meiner Meinung nach hat das ZEISS C Biogon T* 2,8/35 ZM* ein Bokeh, das sich sehen lassen kann. Nicht ultra-cremig, aber weit weg von nervös und unruhig. Auf jeden Fall ein Pluspunkt.

abgeknickter Baumstamm auf Ilford FP4+
ZEISS C Biogon T* 2,8/35 ZM* auf Ilford FP4+, Blende 4

Verzeichnung & Vignettierung

Dieser Abschnitt kann kurz gehalten werden: keine Verzeichnung zu erkennen, wenn überhaupt, dann nur minimalst. Ich habe noch nicht einmal ein Bild an eine der tollen Backsteinwände verschwendet. Bei Blende 2.8 zeigt sich eine leichte bis mittlere Vignettierung, die bei Blende 4 so gut wie verschwunden ist und bei allen Blenden danach nicht mehr vorhanden ist.

Chromatische Aberrationen

Wer kennt sie nicht, die violetten oder blauen Streifen an kontrastreichen Kanten? Nun Besitzer des ZEISS C Biogon T* 2,8/35 ZM*.

Es zeigt nämlich kaum solche Bildfehler. Vorbildlich! Das übelste an CA was ich entdecken konnte (Es gab tatsächlich nur 1 Bild mit CA in meiner Bibliothek) ist das Folgende. Man schaue sich die Fenster im Hintergrund an.

ZEISS C Biogon T* 2,8/35 ZM* auf AGFAPhoto Vista 400, Blende 2.8

Gegenlichtverhalten und Blendensterne

Auch beim Thema Gegenlichtverhalten gibt sich das Objektiv keine Blöße. Es werden nur sehr selten irgendwelche Lichtreflexionen abgebildet.

Der Kontrast bleibt auch bei Fotos direkt in die Sonne gut. Auch die Blendensterne sind schön. 10 Lamellen sorgen für schöne 10-strahlige Sterne.

Gegenlicht mit Blendensternen auf Kentmere 400
ZEISS C Biogon T* 2,8/35 ZM* auf Kentmere 400, Blende unbekannt
Gegenlicht und Frost auf Kentmere 400
ZEISS C Biogon T* 2,8/35 ZM* auf Kentmere 400, Blende unbekannt

Fazit zum ZEISS C Biogon T* 2,8/35 ZM

Für wen eignet sich das ZEISS C Biogon T* 2,8/35 ZM* nun? Einfacher ist es wohl die Frage zu beantworten, für wen es sich nicht eignet. Ganz einfach: Für all diejenigen, die wenig Licht zur Verfügung haben oder auf jedes Quäntchen Freistellung nicht verzichten wollen.

Blende 2.8 bleibt nun mal Blende 2.8. Das 2.0er Objektiv von Zeiss ist, was man so liest, in allen Belangen etwas schwächer als das 2.8er, bis auf die Offenblende.

Das nochmal lichtstärkere 1.4er Distagon birgt vor allem 3 Nachteile: sehr schwer, sehr teuer, sehr lang, und damit blockiert es zu Teilen den Sucher. Gerade daher ist das 2.8er C Biogon der beste Kompromiss.

Muss es immer Blende 1.x sein?

Das Rennen um immer schnellere Objektive mit Offenblende nahe der 1.0 scheint allgegenwärtig. Was für eine erfrischende Ausnahme ist das kleine Biogon.

Alle, die sich von der Offenblende 2.8 nicht abschrecken lassen, sollten sich dieses Objektiv genau anschauen. Es erfüllt wirklich die allermeisten Eigenschaften eines guten Objektivs.

Für Straßenfotografen, die 35mm bevorzugen, ist es vielleicht das Topobjektiv. Für wen also die genannten Punkte keine Hindernisse darstellen, kann ein absolutes Juwel von einem Objektiv erwerben.

Preise für das ZEISS C Biogon T* 2,8/35 ZM

Da wir gerade von Juwelen sprechen: Der Preis. 699€ neu muten vielleicht viel an. Verglichen mit der Konkurrenz aus Wetzlar, sprich Leica, allerdings ein Schnapper, insbesondere wenn man die Qualitäten des ZEISS C Biogon T* 2,8/35 ZM* bedenkt.

Gebraucht gehen die Objektive so um die 500€ – 550€ weg. Definitiv angemessen. Der geneigte Gebrauchtkäufer sollte beachten, dass die Objektive manchmal dazu neigen einen lockeren Fokusring zu bekommen. Dies sollte auf jeden Fall gecheckt werden.

Am Anfang hat sich die Frage gestellt, warum man eine Festbrennweite mit Blende 2.8 kaufe sollte? Ganz einfach: Klein aber oho!

TR

Kamerakult

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