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Minox 35 ML – Warum die kleinste Kamera trotzdem ganz groß ist.

Ein Minox 35 ML Test / Review

Minox 35 ML
Minox 35 ML*

Eine Kamera der Superlative

Die Minox 35 ML. Eine Kamera der Kategorie Schnellster, Größter, Bester. Die Welt scheint sich nur um Superlative zu drehen. Alles was nur auf dem zweiten oder gar dritten Platz liegt, gerät in Vergessenheit.

Manchmal erwische ich mich auch selbst dabei, wie ich das WWW durchstöbere, um herauszufinden, was denn nun das beste Objektiv, für – natürlich – die beste Kamera sei. Und was ist überhaupt der beste Film für den Strandurlaub?

Viele kleine Minoxen

So, oder so ähnlich, musste auch Walter Zapp fühlen. Er war davon getrieben einen weiteren Superlativ, diesmal die kleinste Kamera der Welt, herzustellen.

So erfand Zapp viele Taschenkameras unter dem Firmenname Minox, aber auch eben Kleinskameras für 35mm Film, die er Minox 35* nannte. Neben den eher bekannteren Modellen, wie Minox 35 EL, GT oder GT-E gab es auch ein Schwestermodell mit der Kürzel ML.

Die Minox 35ML* wurde von 1985 bis 1996 hergestellt. Sie unterschied sich von ihren Vorgängern durch ein kantigeres Gehäuse und die Programmautomatik, die das Fotografieren einfacher machen sollte. Des Weiteren war die Klappe nun verriegelbar und konnte durch Druck auf die Gehäusekante geöffnet werden.

Minox 5 ML
Minox 35 ML*

Die Minox 35 ML

Hält man die Kamera zum ersten mal in der Hand, so fühlt sie sich direkt richtig gut, eben kompakt an, was sie eben auch ist – nichts klappert.

Das Auge fällt als erstes auf den orangenen Auslöseknopf, der sich ergonomisch an den nur wenige Millimeter höheren Sucherkasten anschmiegt.

Abgesehen davon, hebt sich farblich vom komplett in schwarz gehaltenen Kamerakörper neben dem Namen nur der silbrig-matte Blitzschuh und der weiße Bildzähler ab.

Black Beauty

Bleiben wir auf der Oberseite. Auf der linken Seite ist typischerweise der Filmrückspulhebel zu finden. Dieser rastet in geschlossenem Zustand geschickt ein, um ein ungewolltes herausklappen zu verhindern.

Rechts neben dem Blitzschuh sind sowohl ein Batterietestknopf, als auch ein Gegenlichtschalter, der, wenn zur Seite geschoben, ein rot unterlegtes “2x” preisgibt.

Die Kamera belichtet daraufhin doppelt so lange. Sogar ein Gewinde, um einen Drahtauslöser anzubringen, bietet die Kamera. Dieses liegt direkt neben dem Auslöser.

Minox 35 ML*

Der Sucher

Die Rückseite bietet hingegen nur drei Elemente. Den Sucher, einen Schalter zum Aktivieren des Selbstauslösers und den Filmtransporthebel.

Der Sucher ist im Falle der Minox 35ML* nichts, womit man angeben kann. Entsprechend der Größe der Kamera, ist auch der Sucher ziemlich klein.

Wenn man, so wie ich, auf schaufenstergroße Durchblicke in einer Kamera steht, eher eine Ernüchterung. Dafür ist es beim Durchblick sehr aufgeräumt.

Es gibt einen Viereckigen Sucherrahmen und acht von einer roten LED anleuchtbare Elemente. Diese sind der P-Modus, eine Unterbelichtungswarnung, Zeiten von 1/30 bis 1/500 im Abstand einer Blendenstufe und letztlich eine Überbelichtungswarnung.

Minox 5 ML
Minox 35 ML*

Auch die Minox 35 ML kann Double-Stroke

Der Filmtransporthebel sorgte bei Erscheinen der Minox 35* öfter für Missverständnisse. So beschwerten sich einige Käufer, dass er nicht richtig funktioniere. Dabei muss der Hebel, wie bei einer der älteren Leica M3, doppelt betätigt werden, um den Film ein Bild vorzuziehen.

Die Unterseite der Minox 35 ML bietet neben dem Stativgewinde einen Rückspulknopf, eine Verriegelung zur Öffnung der Rückseite, ein Rädchen, mit dem die Filmempfindlichkeit eingestellt wird. Diese bietet auch heute noch ausreichend Optionen: Von ISO 25 bis 1600 in Drittel-Blendenstufen.

Minox 5 ML
Minox 35 ML*

Understatement

Von Vorne betrachtet sieht man erst einmal nur den Namen der Kamera: Minox 35 ML*. Drückt man allerdings den Knopf an der Oberseite, springt eine Abdeckung auf, die die wesentlichen Teile der Kamera enthüllt: Sucher, Objektiv, Batteriefach, Selbstauslöserlämpchen und eine CdS-Zelle zur Diodensteuerung.

Die Mechanik zum Aufklappen macht einen stabilen Eindruck und man muss sich keine Sorgen machen, dass es bei Stößen und Remplern zu Defekten führt.

Minox 5 ML
Minox 35 ML*

Technische Daten der Minox 35 ML

Maße32 x 62 x 100 mm
Gewicht (lt. Hersteller/gemessen)180g / 182g (mit Batterie, ohne Film)
Negativformat24 x 36 mm (Kleinbild)
ObjektivColor-Minotar 1:2,8/35mm (Vierlinser)
Entfernungseinstellung90cm bis unendlich
Belichtungssteuerungelektronisch (Zeitautomatik / Programmautomatik)
Verschlusszeit1/500s bis 1s
SucherinformationenLED-Anzeige für Programmautomatik, Belichtungszeiten, Überbelichtungswarnung und Langzeitwarnung
Messwertspeicherdurch Drücken des Auslösers bis zur Hälfte
Gegenlichtschalterauf Oberseite/ verdoppelt die Belichtungszeit
FilmempfindlichkeitsskalaIso 25 – 1600 (DIN 15° – 33°)
Selbstauslöserelektronisch gesteuert, 10s Vorlauf, auf Rückseite
BlitzschuhBlitzschuh mit Mittenkontakt und automatischer Verschlussumschaltung auf 1/125s
Energiequelle1x PX-28 6 Volt Batterie
DrahtauslöserAnschluss vorhanden
Stativgewindevorhanden, 1/4 Zoll
Gehäuseglasfaserverstärktes Makrolon, schwarz
HerstellerMinox, Made in Germany
Baujahr1985 – 1996

Ein Vorteil der Bauweise der Minox 35 ML* besteht darin, dass auf Lichtdichtungen aus Schaumstoff verzichtet wurde. Die Rückklappe rastet so ein, dass kein Dichtungsstoff genutzt werden muss.

Dies ist natürlich dankbar, wenn man auf der Jagd nach gebrauchten Kameras ist, denn wo kein Schaumstoff verwendet wurde, muss er auch nicht erneuert werden. Außerdem sind die 6-Volt Batterien auch heute noch problemlos zu kaufen.


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Das Color-Minotar 35mm 2.8

Kommen wir nun zum vielleicht wichtigsten Bestandteil einer jeden Kompaktkamera, dem Objektiv.

Es hört auf den Namen Color-Minotar und hat die klassische Brennweite von 35mm. Mit Offenblende 2.8 ist es für ein so kompaktes Objektiv im Vergleich zu anderen Kompaktkameras gut im Rennen.

Zwar gibt es auch die ein oder andere mit einer Eins vor dem Komma, aber dann gibt es an derer Stelle Kompromisse.

Minox 5 ML
Minox 35 ML*

Handhabung der Minox 35 ML

Raffiniert fährt das Objektiv beim Aufklappen des Schutzes aus dem Kameragehäuse. 3,2cm im Durchmesser und gerade einmal 1,5 cm lang ist der Vierlinser.

Am vorderen Rand, an dem auch die Entfernungsbeschriftung aufgetragen ist, lässt es sich fokussieren. Das klappt erstaunlich gut, selbst mit einem Finger.

Das ist auch besser so, denn dadurch, dass sich die Klappe wie ein Boden unter dem Objektiv verhält, ist ein Verstellen mit zwei Fingern wesentlich schwieriger.

Entweder muss man um die Klappe herumgreifen oder von Vorne bedienen. Nicht gerade das, was man als ergonomisch bezeichnen würde.

Die Problematik des Blendenrings

Eben dieses Problem taucht beim Blendenring auf. Dieser bietet Markierungen in ganzen Blendenstufen von 2.8 bis 16, die jedoch nicht einrasten und eine P-Stellung, die sowohl von der Entfernung als auch vom Drehwiderstand etwas abgesetzt ist.

Prinzipiell gut gelöst, jedoch fand ich es sehr umständlich die Blende zu verstellen. Vielleicht liegt es auch an meiner Fingergröße.

Schärfe

Durchaus ansprechend agiert das kleine Color-Minotar. Schon bei Offenblende zeigt es eine gute Schärfe.

Abgeblendet noch ein bisschen besser. Das größte Problem, um maximale Schärfe zu erhalten, ist meiner Erfahrung nach die Fokussiermethode.

Da der Sucher kein Fokusfeld besitzt, muss über die Entfernungsskala geschätzt werden. Das fällt naturgemäß leichter, je geschlossener die Blende ist, aber auch da, kann es zu Fehlfokussierungen kommen. In diesem Fall bringt das schärfste Objektiv natürlich nichts.

Ford Fiesta Scheinwerfer
Minox 35 ML* mit Color-Minotar, 35mm, P-Modus

Bokeh

Trotz der gerade angesprochenen Offenblendproblematik bzgl. des Fokussierens bietet die Minox 35 ML* ein sehenswertes Bokeh.

Die Unschärfe in den meisten Bildern gefällt mir gut. Es bietet zwar nichts außergewöhnliches, wie z. B. ein Swirly-Bokeh, aber unruhige Hintergründe drängen sich nicht unangenehm auf. Das ist schonmal mehr als manch anderes Objektiv schafft.

Gartendeko Bernstein
Minox 35 ML* mit Color-Minotar, 35mm, f/2.8

Verzeichnung und chromatische Aberrationen

Auf beiden Gebieten ist mir nichts aufgefallen. Das spricht natürlich für die Kamera. Wie oben gesagt, ich habe nicht extra Backsteinwände fotografiert, jedoch kommen alle Bilder verzerrungsfrei daher. Und an den Kontrastkanten konnte ich auch nichts entdecken, was mich doch etwas überrascht hat.

Schattenspiele
Minox 35 ML* mit Color-Minotar, 35mm, P-Modus

Gegenlichtverhalten und Blendensterne

Ins Gegenlicht fotografiert verlieren die Bilder doch an Kontrast. Es gibt auch keine Möglichkeit, eine Streulichtblende anzubringen, was entsprechend schade ist. Aber dass ein solch kompaktes Objektiv nicht in allen Belangen glänzen kann, sollte auch auf der Hand liegen. Blendensterne entfallen hier komplett, da das Objektiv lediglich 2 Blendenlamellen besitzt. Ich kanns verschmerzen.

Baum im Gegenlicht
Minox 35 ML* mit Color-Minotar, 35mm, P-Modus

Die Minox 35 ML in der Praxis

Wie fotografiert es sich denn mit einer solchen Kompaktkamera? Mein erster Eindruck war, dass kleine Hände wirklich von Vorteil sind.

Für mich war die Kamera zu klein. Auch wenn sie für ihre Winzigkeit noch gut in der Hand liegt. Am meisten behindert hat mich der Klappdeckel. Irgendwie wollte ich mit der Blendenverstellung, indem man Daumen und Zeigefinder von vorne an den Blendering führt, nicht warm werden.

Einen Schiebemechanismus, wie ihn die Olympus XA oder Olympus Mju bietet, gefällt mir doch wesentlich besser.

Vogelhaus blau
Minox 35 ML* mit Color-Minotar, 35mm, f/2.8

Die Zonenfokussierung

Ansonsten ist es dann wohl Gewöhnungssache mit Zonenfokussierung zu fotografieren. Bei Blende 11 ist laut Skala z. B. alles von ca. 1,8 bis unendlich scharf.

Je offenblendiger es wird, desto schwieriger wird die Einstellung eben auch. Was mir gut gefiel, ist der Messwertspeicher bei halb gedrücktem Auslöser. Ebenso die einfach logisch zu bedienenden Schalter für Gegenlichtaufnahmen und Selbstauslöser. Diese fallen auch direkt auf, sollten sie vergessen werden zurückzustellen.

Korn
Fehlfokussiert, Minox 35 ML* mit Color-Minotar, 35mm, P-Modus

Ein paar Opfer der Miniaturisierung

Auch mit dem Doppelaufzug kann man gut leben. Er lässt sich auch trotz der Kompaktheit gut bedienen und greift nicht nur auf ein noch kompakteres Zahnrad zurück, wie bei vielen Einwegkameras. Dennoch bietet die Kamera auch die Zahnradoption.

Der kleine Sucher ist natürlich ein Opfer des kompakten Designs. Wer meine anderen Tests schon gelesen hat, weiß, dass für mich der Sucher nicht groß genug sein kann. Aber man muss ihm zwei Dinge zugutehalten: Er ist aufgeräumt und man sieht genug.

Windräder
Minox 35 ML* mit Color-Minotar, 35mm, P-Modus

Die perfekte Streetfoto-Kamera?

Einen weiteren Punkt, der mich gefreut hat, ist dass die Filmempfindlichkeit von ISO 25 bis 1600 einstellbar ist. Gerade die 1600 machen bei dieser Kamera für mich absolut Sinn.

Das einzige Anwendungsgebiet, das ich mir mit dieser Kamera vorstellen könnte, wäre Streetfotografie. Klein, absolut unauffällig und relativ leise sind Eigenschaften, die der Streetfotograf schätzt.

Dann noch ein Tri-X auf ISO 1600 rein in die Minox 35 ML*, um eine möglichst hohe Tiefenschärfe zu erreichen und fertig ist die kompakte Street-Cam. In diesem Anwendungsfall werden auch Bildfehler durch Falschfokussierung minimiert.

TOI TOI Toilette
Minox 35 ML* mit Color-Minotar, 35mm, f/8

Gut, aber nicht für mich

Schlussendlich musste die kleine Minox* doch wieder gehen. Streetfotografie ist nicht mein Hauptanliegen, und wenn ich zwischen der Leica M und der Minox entscheide… nunja, dann lieber die Leica.

Für alle anderen Anwendungsfälle fallen mir auch besser geeignete Kameras ein. Das ist eben die Krux, wenn man die kleinste Kamera der Welt bauen möchte. Die Bedienbarkeit leidet damit und ob das mit der kleinen Größe zu rechtfertigen ist, muss jeder selbst wissen.


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Weitere Links zur Minox 35

Falls ihr Euch noch weiter über die Minoxen informieren möchtet: Der empfehlenswerte Sebastian Schüngel bietet Videos über die Kameras auf Youtube an, empfehlenswert. Außerdem bietet der 1. Deutsche Minoxclub bestimmt eine Anlaufstelle, wenn Fragen bei Euch aufkommen sollten. Dort erhaltet ihr auch übrigens viele Bedienungsanleitungen in digitaler Form. Schaut einfach mal vorbei.

TR

Kamerakult

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